Lasst uns über Neophyten nachdenken!
Sind alle neuen Pflanzen böse und nicht gut für die Natur oder nur die invasiven?
Ist jede Pflanze nach 1492 eine unerwünschte Pflanze und kann sie niemals heimisch werden?
Wissenswertes:
https://www.bedeutungonline.de/was-sind-neophyten-bedeutung-eigenschaften-erklaerung-definition/
Text ist von Oliver Tackenberg der Autor von dem Buch:
Die Flora von Deutschland

Ich bin bei der Rezension auf einige Bezeichnungen gestoßen, die er mir auf Nachfrage erklärt hat!
Was genau sind:
Eingebürgerte Neophyten
- Sie sind nicht in Deutschland heimisch und erst nach der Entdeckung Amerikas (1492) nach Deutschland gelangt (sie müssen jedoch nicht zwingend aus Amerika stammen).
- Sie haben in Deutschland eigenständig lebensfähige Populationen aufgebaut, die seit mehreren Generationen bestehen.
- Ein klassisches Beispiel wäre die Robinie oder der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), der „schöne“ blickdichte Hecken bildet.
Dies Art ist nach Floraweb (die Daten sind ein paar Jahre alt) noch als „unbeständig“ gelistet, ist aber gerade dabei sich zu etablieren – begünstigt durch den Klimawandel: z. B. weniger Fröste < -12°C , die er als immergrüne Art nicht gut verträgt. In Wärmeinseln wie Berlin oder dem Rheintal wird die Art von Experten bereits als „eingebürgert und invasiv“ eingestuft, da sie dichte, immergrüne Teppiche im Waldunterholz bildet. - Wichtiger Hinweis: In der Schweiz ist der Verkauf seit 2024 verboten: https://www.neophyten-schweiz.ch/
Unbeständige Neophyten
- Sie stammen ebenfalls nicht aus Deutschland und sind nach 1492 nach Deutschland gelangt.
- Sie haben es (bisher) nicht geschafft, dauerhaft überlebensfähige Populationen aufzubauen.
- Ein Beispiel wäre die Hemlock-Tanne (Tsuga canadensis): Diese wird zwar kultiviert, und Keimlinge bzw. Jungpflanzen verwildern gelegentlich, sie bildet auf Dauer aber keine eigenständig lebensfähigen Populationen aus.
In Einbürgerung befindliche Neophyten
- Diese stehen zwischen den beiden oben genannten Kategorien.
- Sie sind noch nicht „richtig“ eingebürgert, haben aber oft schon erste Populationen gebildet. Diese bestehen noch nicht sehr lange, es erscheint jedoch wahrscheinlich, dass eine dauerhafte Einbürgerung in nächster Zeit erfolgen könnte.
- Beispiel sind z.B. verschiedenen als Zierpflanzen angepflanzte Geißblattarten.
Bei der Einstufung einer konkreten Art handelt es sich letztlich um eine Experteneinschätzung, die man z. B. auf der sehr guten Informationsseite zur Flora von Deutschland, der Webseite des Bundesamtes für Naturschutz unter https://www.floraweb.de/ nachschlagen kann.

Übrigens!
Die Definition Migrationshintergrün trifft es auch ganz gut und ist von Ulf Soltau – Gärten des Grauens – kreeiert worden.
Vielleicht sollten einige jetzt mal durchatmen und darüber nachdenken, wie wir am besten mit diesen Pflanzen klarkommen können und wie wir gemeinsam dafür sorgen, dass wieder mehr Natur im die Gärten einzieht! 😉
Eure Melanie

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